My 1st Electric Car: Elektroautos können teuer sein, müssen sie aber nicht.

26. Januar 2017 Tobias Wagner My 1st Electric Car Schlagwörter: , , , , , 0 Comments

Die Vorurteile gegenüber der Elektromobilität halten sich hartnäckig: zu teuer, zu geringe Reichweite, zu wenig Infrastruktur. Kurzum: Für den Normalverbraucher derzeit keine Alternative, oder? Als Werkstudent im Bereich Charging Solutions bei The Mobility House bekomme ich neben meinem Masterstudium die Elektromobilität hautnah mit. Aber keine Spur von Abschreckung: Erst hier habe ich Elektroautos lieben gelernt und wollte unbedingt Teil dieser leisen Revolution sein. Die Zeichen stehen dank begrenztem Studenten-Budget und fehlender Lademöglichkeit in der WG aber denkbar schlecht. Aber wo ein Wille, da ist auch ein Weg.

Welches Elektroauto-Modell soll es werden? Bauch sagt Model S, Verstand sagt Zoe, Geldbeutel sagt Fahrrad.

Der Kilometerstand meines aktuellen Verbrenners, der eher an die Einwohnerzahl Münchens erinnert als an die echte Laufleistung, spielt mir etwas in die Karten. Ein neues Auto muss ohnehin her, vorzugsweise 100% elektrisch. Die Auswahl an Elektroautos ist derzeit noch überschaubar, trotzdem unterscheiden sich die Modelle in puncto Gebrauchtwagenpreis, Reichweite und Ladeleistung. Meine Wahl fällt dadurch relativ schnell auf die kleine Renault Zoe Q210, nicht ohne Grund das beliebteste Elektroauto in Deutschland. Dank Chamäleon-Charger und 43 kW AC-Ladung ist sie dazu noch 100% alltagstauglich. Zwar bekommt man bei der Optik keinen emotionalen Gefühlsausbruch, als alltäglicher Wegbegleiter ist sie aber mehr als geeignet. Das schicke Design gefällt aber von Tag zu Tag mehr – zwar nicht Avantgarde, dafür Welten besser als die konventionellen Vertreter ihrer Klasse.

Beim Blick in die gängigen Autobörsen kommen wieder Zweifel und das Projekt droht zu scheitern:. Rund 14.000 € für einen gebrauchten Kleinwagen und dazu noch die Batteriemiete (übrigens sehr praktisch für Gebrauchtwagenkäufer, dazu später mehr)? Das Fahrrad rückt plötzlich wieder in die engere Auswahl. Doch um seine Ziele zu erreichen, muss man manchmal kreativ werden.

Zwischenladung bei der Messe Stuttgart. Dank NewMotion Karte ist öffentliches Laden kein Problem.

Kreativ? Ein Blick über die Landesgrenze hinaus ist eigentlich relativ naheliegend. In Frankreich sind sie dank üppiger Förderung durch den Staat schon etwas weiter als wir. Und so suche ich in einem französischen Kleinanzeigenportal (Geheimtipp: leboncoin.fr) nach meinem Traumauto. Mein Französisch-Wortschatz, der, wenn man das Wort Renault nicht mitzählt gegen null tendiert, stellt keine große Hürde dar. Und da sehe ich sie: Schwarz, helles Interieur, ein paar Kilometer auf dem Tacho und auf dem Preisschild steht nur die Hälfte im Vergleich zum Pendant in deutschen Portalen – formidable!

Das Abenteuer beginnt: 500 km Überführung auf eigener Achse

Zugegeben, ich habe wirklich etwas Glück. Nach einer abenteuerlichen Reise mit Fernbus, Mitfahrgelegenheit, ICE und Regionalbahn, komme ich im Elsass bei einer kleinen und sehr netten Familie an. Optisch macht das Auto einen gepflegten Eindruck, technisch kann ich mich auf die noch geltende Hochvolt-Garantie seitens Renault verlassen. Und um die Batterie muss ich mir erst recht keine Sorgen machen. Diese wird bei Defekt oder einer Kapazität unter 75% von Renault getauscht. Dank Batteriemiete (je nach Fahrleistung, bei mir 102 Euro pro Monat) hat man also keine Bauchschmerzen beim Kauf einer gebrauchten Zoe. Nach kurzem Papierkram, mit Kaufvertrag und Umschreibung des Batteriemietvertrags, beginnt die Reise. Die Ladestopps habe ich den Abend zuvor im Verzeichnis von GoingElectric schon geplant und die große Ernüchterung, die wohl jetzt alle E-Kritiker prophezeien, bleibt aus. Alle Ladestationen sind frei, funktionieren und machen somit die Reise nach Hause zu einem gelungenen Einstand, auch wenn sie doch länger dauert als gedacht. Reichweitenangst? Wenn man nicht gerade Sebastian Vettel heißt, ist die Zoe ein tolles Auto. Und die Vertreter, die einen mit Lichthupe von der linken Spur scheuchen, beneidet man keine Sekunde um ihr stressiges Leben. By the way: Die Überführung hat keinen Cent gekostet. Da staunt sogar das Fahrrad.

Irgendeinen Nachteil muss der Import aus Frankreich doch haben, oder?

Gleich am nächsten Tag geht es zur Zulassungsstelle. Im Internet kursieren hier viele unterschiedliche, teils abschreckende Meinungen. CoC? Vollgutachten? Pfft. Die kleine Zoe muss nur durch den regulären TÜV und dank der französischen Papiere (Carte Gris) klebte 10 Minuten später schon das E-Kennzeichen an Front und Heck.

TÜV-Besuch ohne Mängel. Ein Elektroauto aus Frankreich war selbst für den Prüfer neu.

Am Ende hätte mir die Dame der Zulassungsstelle fast einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Ich kann den Papieren leider nicht die elektrische Reichweite entnehmen, so kann ich Ihr Auto nicht zulassen. Tut mir leid.“ Aber ich bin nachsichtig: Die ganzen Plug-in-Hybrid-Zulassungen taten der Dame wohl nicht gut. Natürlich ist für ein 100% elektrisches Auto diese Angabe nicht notwendig und so konnte auch dieses Hindernis überwunden werden. Ein weiteres Highlight ist der Steuerbescheid, der ein paar Tage darauf im Briefkasten liegt – 2023 ist die erste Zahlung fällig. „Da bin ich ja schon 30“: die erste schockierende Erfahrung mit meinem Elektroauto.

Und was ist jetzt deine Ausrede?

Elektromobilität macht Spaß und funktioniert, selbst mit kleinem Geldbeutel und ohne eigene Lademöglichkeit. Daher möchte ich jeden dazu ermutigen, die Anschaffung eines Elektroautos in Erwägung zu ziehen. Trotz oder vielleicht gerade wegen meines jungen Alters habe ich dem Verbrennungsmotor für immer den Rücken gekehrt. Warum? Die Frage ist wohl eher: warum nicht?

Die Zukunft mit meiner Zoe bleibt auf jeden Fall spannend. Sie wird ausschließlich öffentlich oder in der Arbeit geladen, bald steht das Batterie-Upgrade auf 41 kWh an und nebenbei verdiene ich noch Geld mit meinem Elektroauto. Wie das alles funktioniert, erfahrt Ihr bei My 1st Electric Car. Einfach The Mobility House auf Facebook folgen und zukünftig keinen Blogbeitrag verpassen.

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